Der lange Arm des Teufels - oder:

das Unerklärbare erklären

Der lange Arm des Teufels - oder:
© Florentine - pixelio.de

1. Das Unfassbare anfassen

In Norwegen wird geprüft, ob das unfassbare Verbrechen von Anders Breivik die Tat eines Wahnsinnigen ist; gleichzeitig wird darüber nachgedacht, ob das höchstmögliche Strafmaß von 21 Jahren nicht auf 30 Jahre erweitert werden soll, indem Breivik eines politischen Verbrechens (und pikanterweise dann einer explizit vernunftsgesteuerten Tat) gegen die Menschlichkeit überführt werden kann. Ungeachtet der Erwägung, ob bei einer derartig unglaublichen Tat die Sühne in quantitativen Kategorien gesteigert werden kann, stellt sich die grundsätzliche Frage nach dem Warum: Ohne eine zureichende Erklärung für Breiviks Motive ist weder eine abschließende Trauerarbeit der zahlreichen Hinterbliebenen möglich, noch können in der Zukunft weitere Schreckensszenarien ausgeschlossen werden. Daher gebietet es in zumindest zweifacher Hinsicht die Vernunft, um das Blutbad von Breivik keinen tabuisierenden oder stigmatisierenden Bogen zu ziehen, sondern das Interesse auf die Mitte möglicher Gründe zu fokussieren.

Hierzu offenbart Breiviks Bekennerschreiben "2083" auf ca. 1500 Seiten eine Gedankenwelt, die seine Motivation auf eine beklemmende Weise fassbar macht, ohne auch nur im Ansatz eine Entschuldigung anbieten zu können. Ganz im Gegenteil spannt Breivik einen gedanklichen Bogen auf, der unsere gewöhnte Ethik in unerreichbare Ferne rückt: Breivik entschuldigt sich nicht, denn er sieht sich außerhalb sozialer Maßstäbe. Eine Beschäftigung mit Breiviks Motiven bietet somit Erklärungsansätze und festigt seine uneingeschränkte Verantwortung.

2. Blutiger Horror ohne Altersbeschränkung

Anders Breivik, 32 Jahre alt, tötete fast 70 junge Menschen auf entsetzliche Art und Weise. Dabei schockierte gerade die Durchführung der Tat fast mehr, als die hohe Anzahl der Opfer: kaltblütig, mit ruhigen, auf seine flüchtenden Opfer zielenden Händen erlegte er jagend jene "Subjekte", die er als "Kulturmarxisten" und "Multikulturalisten" zuvor zum Freiwild erklärt hatte. Auf einem Abzeichen seines Kampfanzuges konnte die Welt lesen: "Marxist-Hunter Norwegen - Erlaubnis zur Jagd auf Multikultiverräter" - ein abartiges Augenschmunzeln vor der systematischen Auffindung und Erschießung von jungen Frauen und Männern im Sekundentakt; auf einer kleinen Insel, die eine rettende Flucht unmöglich machte. Ein schlimmerer Anschlag gegen die Grundsubstanz unserer Gesellschaft, des Sozialen, ist kaum vorstellbar.

Die Körper der Opfer waren noch nicht erkaltet, als in Deutschland interessierte Kreise in kaum zu überbietender Pietätlosigkeit öffentlich verlautbaren ließen, nicht Anders Breivik, sondern die in merkwürdige Sippenhaft genommenen heterogenen Milieus von Rechtspopulisten, Islamkritiker, christliche Fundamentalisten seien die eigentlichen Schuldigen, da jene Gruppen - so die gedankliche Hinführung - ein Klima des Hasses, der Menschenverachtung, der Ausgrenzung geschaffen haben; kurzum, jene veröffentlichte Meinungs-Saat des Bösen habe den Amokläufer durch eine Art amoralische Medienwirkung quasi automatisch zu seiner Tat getrieben: Der 32-jährige Anders Breivik sei nur eine Art blindes ausführendes Organ, sozusagen der lange Arm des Teufels.
In diese Kerbe einer auf breiten Basis inszenierten Hexenjagd schlugen in den letzten Tagen immer mehr Meinungsäußerungen in Print- und Onlinemedien, sodass mittlerweile eine breite Schneise der ideologischen Intoleranz in den publizistischen Blätterwald geschlagen wurde.  Von Gabriel (SPD) über Claudia Roth (Grüne) bis Rita Süßmuth (CDU), aber auch die CSU und Linke nebst diversen Pseudowissenschaftlern, quer durch das Parteienspektrum reichte die Hatz, dem "Teufel" für das Norwegenmassaker deutsche Rechtspopulismuswurzeln zuzuschreiben und ihn als einen germanisierten Kulturnazi zu dämonisieren.

Und als wären nicht ernsthaft 74 reale Opfer in Norwegen/Oslo zu beklagen gewesen, war in der deutschen Führerkaste der Political Correctness keine Plattitüde zu abgeschmackt ("Sumpf mit schrecklichen Blüten") und keine Schuldzuweisung zu lächerlich (Sarrazins Mitschuld), und keine Lüge zu verkommen ("Political Correctness ist gesellschaftliche Toleranz", DER SPIEGEL) um nicht die Wurzel des Bösen in aller Welt schlechthin in Deutschland zu verorten und somit weiterhin aus dem schmalen Kapitel deutscher Geschichte der Jahre 1933-1945 auch den letzten Tropfen braun gefärbter Schwärze für die Druckmaschinen der öffentlichen Indoktrination im Namen der Political Correctness in das Schuldgewissen jedes Deutschen pressen zu können.

3. Paradoxon des Bösen

In der mathematischen Theorie der Mengenlehre lautet ein berühmtes Paradoxon, "die Menge aller Mengen, die sich nicht selbst als Menge enthalten dürfen".  Der Kern des Problems lautet, dass ein bestimmter Zustand nur dann zustande kommen kann, wenn er nicht zustande kommt - widersprüchlicher kann eine Aussage nicht sein. Dennoch war die Aufgabenstellung mathematisch korrekt formuliert, war zur damaligen Zeit des beginnenden 20.Jahrhunderts unlösbar und stürzte u.a. einen berühmten Deutschen Mathematiker in eine Sinnkrise. Die Mathematik verbot die Fragestellung und "löste" das Problem durch Nichtbehandlung: Die Frage durfte einfach so nicht mehr gestellt werden.

Der schreckliche Fall von Anders Breivik stellt einen bestimmten Teil der herrschenden politischen Klasse vor eine ähnliche paradoxe Problemstellung. Denn wenn jene Klasse der politisch Korrekten eine Antwort finden wollen, welche Motive Breivik zu seinen Taten getrieben haben, müssen sie sich mit bestimmten Aussagen beschäftigen, die in seinem Manifest 2083 aufgeführt sind. Im ersten Kapitel, als erste substanzielle Aussage der folgenden 1500 Seiten, beschreibt Breivik dabei die Mechanismen der sogenannten Political  Correctness (pc) als eine der wichtigsten Motivationen für die Notwendigkeit seiner Handlungsweise. Möchte man also Breiviks Handlungsweise einen kausalen Ort in dieser Welt zuweisen, dann muss man die Kritik Breiviks an der Political Correctness Ernst nehmen. Ernst nehmen kann man die Kritik an der Political Correctness aber nur, wenn man keine Political Correctness mehr betreibt. Das Paradoxon ist somit perfekt: Ignorieren die Systemmedien der Herrschenden die Kritik der Political Correctness, dann betreiben sie weiter pc und bestätigen Breiviks Analyse und Kritik. Lassen sich die Systemmedien jedoch auf die Kritik der PC ein, dann müssten sie sich selbst politisch "unkorrekt" verhalten und somit eine Mitverantwortung für die Taten Breiviks in der Vergangenheit tragen. Durch diese paradoxe Situation ist zu verstehen, dass die geballte Bildungs- und Kulturelite Deutschlands, die veröffentlicht wird und somit den Kriterien der PC genügt, mit aller Intelligenz und Macht und Möglichkeiten an der Analyse der Taten Breiviks kein wahrhaftes Interesse zu haben scheinen: Weil das eigene Versagen nicht zum Thema werden kann im Kontext der vielen Toten, dürfen die wahren Ursachen nicht zur Sprache kommen und die Toten wie die Angehörigen werden nicht zur Ruhe kommen.

Anders jedoch als in der theoretischen Mathematik kommt die reale Welt bei dem blutigen Fall Breivik mit einem dogmatischen Abbruch des Begründungsverfahrens in Teufels Küche: Ignoriert das System die Kritik Breiviks an der pc, wird die Bombe in Breiviks Text erst scharf gestellt. Die Ignoranz des Systems würde Breivik in seiner Rolle als Opfer der Political Correctness Recht geben und seine Wirkung in der Welt potenzieren: Breiviks Text zu ignorieren, hieße also, seinen Taten eine moralische Rechtfertigung zu geben und ihn theoretisch wie virtuell zu vervielfältigen.

Das deutsche Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL zeigt in seiner aktuellen Ausgabe 31/2011 exemplarisch, wie weit jene  SchreibtischtäterInnen der Political Correctness das Denken der Menschen unterdrücken wollen - sie definieren Political Correctness als eine "politisch korrekte gesellschaftliche Toleranz" und somit explizit als das Gegenteil dessen, was pc ist, nämlich gesellschaftspolitische Intoleranz bis hin zur sozialen Hinrichtung des zum öffentlichen Freiwild erklärten ideologischen Gegners. Und weiterhin unterdrücken fast 20 RedakteurInnen ein Thema: die antidemokratische Gewalt der Political Correctness - eine Analyse von Breivik findet im Themenheft des Breivik-Attentats daher einfach nicht statt. DER SPIEGEL hat somit an den Selektionsrampen des Agenda-Settings den Weg zu weitere Exzessen politisch korrekt geebnet, die Hatz auf Andersdenkenden darf weitergehen, die sozialen Steinigung beginnen, rücksichtslos, bis der publizistische Mob seine Opfer im öffentlichen Diskurs vernichtet hat. Die ersten Opfer: Demokratisch gesonnene Menschenrechtler, die die Unmenschlichkeit des totalitären Islam thematisieren und im Ergebnis als "rechtspopulistisch" in die soziale Nazi-Ecke gestellt werden.

Es ist der Intelligenz Breiviks durchaus zu unterstellen, dass er jenes Kalkül bewusst inszenierte, hoffend, dass eine Tabuisierung und Stigmatisierung seines Manifestes die Wirkung weltweit potenzieren würde. Folgerichtig kopierte Breivik an den Anfang seines Bekennerschreibens jenen Text über die Political Correctness, der das gesamte politische System am nachhaltigsten zu destabilisieren in der Lage war: die Frage nach der demokratischen Legitimierung eines Staates in Zeiten einer ideologischer Intoleranz öffentlicher Medien (via pc).

Doch erst ein analytischer Blick unter die begriffliche Tarnkappe der Political Correctness zeigt ihre antidemokratische Potenz im Detail und lässt verstehen, dass die viel beschworene offene Gesellschaft in Zeiten des kritischen Rationalismus einen Feind ganz besonders zu fürchten hat: die "Politisch Korrekten".

4. Political Correctness I: Implosion des Denkens

Unter der völlig sinnentstellenden Hülle der "Politischen Korrektheit" (PC) steckt die Prämisse, dass bestimmte Gedanken und deren Ausdruck durch Worte nicht gesellschaftsfähig seien. Und diese Asozialität bestimmter Gedanken und deren begriffliche Formwerdung leiten die Vertreter der Political Correctness aus einer weiteren Prämisse ab, die jedoch tunlichst vor der Öffentlichkeit verborgen gehalten wird: nämlich, dass das bloße Denken über bestimmte Themen, Ideen und Begriffe die Menschen regelrecht "vergiften", sodass in der Folge, die Demokratie oder die Unverletzbarkeit bestimmter Menschen oder Gruppen gefährdet sei. In der Konsequenz bedeutet dies, dass die Vertreter von Political Correctness das Volk und seine Bürger als unfähig ansehen, vernünftige Gedanken zu hegen und vernünftige Schlüsse zu ziehen. Daher muss, so die PC-Vertreter, das Volk geschützt werden, nicht die falschen Gedanken und Schlüsse zu ziehen.

Folgerichtig müssen die unmündigen Bürger auch über die wahren Ziele getäuscht werden, und so bezeichnet sich die Political Correctness in ihrer Wortbedeutung als eine "korrekte Politik", also ein Verhalten, das in Ordnung geht. PC weist sich somit fälschlicherweise die positive Eigenbewertung zu, die richtige, korrekte politische Meinung zu bestimmen, die jene Linie definieren muss, die im öffentlichen Diskurs nicht überschritten werden darf.

Abgesehen davon, dass es alles andere als korrekt ist, fremdes Denken reglementieren zu wollen, und jene Anmaßung der Fremdkontrolle auch noch mit der Unverschämtheit zu begründen, alle Anderen hätten nicht die moralische und ethische Handlungskompetenz, frei entscheiden zu können, erzeugt PC darüber hinaus in der öffentlichen Kommunikation Codes des "sprachlichen Benehmens", also eine begriffliche Stimmung sozialer Denkkontrolle, die jeden Bürger zu einem willfährigen Spitzel degradiert und somit eine allgemeine Angst vor der öffentlichen Meinungsäußerung zur Folge hat.

5. Political Correctness II: Angst vor dem Denken

Wer aber Angst haben muss, das Falsche zu sagen, muss mit einer weitreichenden Folge leben:  Das Denken an sich wird unterdrückt.  Denn: Wer glaubt, nur noch "DAS Richtige" sagen zu dürfen, DAS Richtige denken zu dürfen, denkt bald immer weniger. Der Grund: Das sogenannte "Richtige" ist erst das Ergebnis eines Denkprozesses, wer das "Richtige" jedoch präjudizieren will, und somit zwangsläufig bestimmte Schlussfolgerungen, Themen und Begriffe aus dem Denken ausschließen muss, begrenzt das Denken, macht es unfrei und hebt es prinzipiell auf: Die Bestrafung des Denkens behindert den Denkapparat bis zur Bewegungslosigkeit. Dabei ist es unwesentlich, wie viele oder welche Gedanken oder Begriffe verboten werden. Die Tatsache alleine, dass das Denken sich selbst zwingen soll, bestimmte Begriffe nicht zu denken, das Denken also denken soll, auch nicht denken zu sollen, führt in seiner grundlegenden Widersprüchlichkeit zu einer Dysfunktion und Lähmung des Denkens.

6. Political Correctness III: Korrumpierte Demokratie

Demokratie als Herrschaftsform delegiert die Realisierung von Mehrheitsentscheidungen in die Hände Weniger. Vor der Abgabe der Macht an die Regierung, vor der Abstimmung für oder wider politischer Interessenvertreter, steht die umfassende, allgemeine, zureichende und notwendige Information und öffentliche Diskussion ALLER politisch relevanter Themen und Inhalte. VOR der Selbstentmachtung des Volkes, vor der Wahl, kommt daher der objektiven und bewertungsfreien politischen Berichterstattung ein Absolutheitsanspruch zu. Eine Öffentlichkeit aber, die bestimmte Themen und Gedanken tabuisiert, sie dem freien Denken entzieht, kann niemals eine gültige Grundlage für eine demokratische Selbstentmachtung des Volkes sein.

Political Correctness betreibt aber genau dies: Sie zerstört die Grundlagen jeder Demokratie, indem sie ideologische Intoleranz im verlogenen Deckmäntelchen sogenannter Antidiskriminierung betreibt. Political Correctness zielt auf Gedankenkontrolle ab, auf Zensur und ist somit ein antirationales Tool zur Zementierung nicht-mehrheitsfähiger Themen. Political Correctness diskriminiert unliebsame Gedanken zum Undenkbaren, stößt Andersdenkende aus der sozialen Gemeinschaft aus, und sorgt auf diesem Wege zu einem Klima der Angst, der Lüge, des Verrates, sodass eine offene und öffentliche Meinungsbildung als Grundbedingung einer Demokratie verhindert wird.

Daher diente das erste Kapitel des Manifest Breiviks, seine Meinung über den Status der Demokratie in Norwegen und im Rest der westlichen Welt darzulegen, und dem Mediensystem eine Falle zu stellen: Demokratie kann es für Breivik aufgrund der Political Correctness im Ergebnis der öffentlichen Kommunikation nicht mehr geben und folgerichtig würde das undemokratische System seine Kritik an der Political Correctness verschweigen. Und ohne demokratische Meinungspluralität glaubte Breivik (der sein ganzes Leben lang in einer sozialistischen Gesellschaft lernte, dass das Soziale, die Gemeinschaft, wie ein Gott über allen Werten steht), jenen Boden unter den Füßen verloren zu haben, um sich erfolgreich gegen den demografischen Wandel und den Werte- und Kulturrelativismus auf demokratische Weise in Norwegen wehren zu können. Dermaßen als Individuum der sozialen Leitkultur beraubt, stellte sich für Breivik die Frage nach sozialem Handeln gänzlich anders: Das Unerklärbare, das unentschuldbare Grauen wird somit auf eine besondere Art nachvollziehbar.

7. Im Auge des Zyklons: Asozialität gegen das Asoziale

Die Asozialität seiner Tat war für Breivik nicht mehr ein Akt gegen die soziale Gemeinschaft; er wollte nicht der Gemeinschaft schaden, indem er sich ihr gegenüber asozial verhält.  Vielmehr war nach Breiviks Analyse das Soziale nicht mehr existent!  Das Soziale war nach Breivik in der Gesellschaft vergesellschaftet und somit zerstört worden: Werte- und Kulturrelativismus, die Zerstörung der Erfahrung unzähliger Generationen, die Auflösung des Familienmodells, die Vergesellschaftung und somit Auflösung der Intimität sexueller Beziehungen ab dem Kindergarten, die Förderung einer blinden, ungesteuerten Multikulturalität mit der gleichzeitigen Tabuisierung von explodierenden Vergewaltigungs- und Kriminalitätszahlen und der politischen Doktrin, alles Fremde als gut und begrüßenswert in die eigene Wertegemeinschaft eindringen und tolerieren zu müssen. All jene Fragmente einer nach Breiviks Ansicht durch sozialistische Programme gesteuerten gewaltigen und systematischen Dekonstruktion von Familie, Heimat, und Leitkultur haben in Breiviks Weltsicht den individuellen Schutz des Individuums aufgehoben und somit das Soziale der multikulturellen Auflösung geopfert: Das Soziale ist zerstört worden. Von diesem Ansatz her ist es für Breiviks Denkfigur nur ein kleiner gedanklicher Schritt, den über alles prangenden Begriff des "Sozialen" als eine vermeintlich vordergründige Lüge zu entlarven. Political Correctness war hierbei DER explosive Brandbeschleuniger in Breiviks Psyche, da jeder öffentliche Diskurs über die von ihm monierten Fehlentwicklungen zu reflexhaften, ideologischen Denkverboten und sozialer Ausgrenzung führte und eine offene Diskussion verhindert hat. Breiviks politisch nicht genehme Fragen, Feststellungen und Kritiken stempelten ihn zu einem sozialen Außenseiter.

Ein öffentliches, ein soziales Korrektiv durch diskursive Kommunikation war in Norwegen nicht möglich, ein Druckausgleich in Breiviks emotionalen Systems war in der gedanklichen Vakuumkammer der Political Correctness nicht vorgesehen. Folglich ist in einer derartig entwerteten, atomisierten, anomischen, hoffnungslosen Welt, wie sie Breivik offensichtlich empfand, das Soziale verschwunden, sodass eine solche Tat für Breivik nicht asozial sein konnte, vielmehr zum Ziel vorgab, jene Ursachen und Gründe für die von ihm wahnhafte attestierte Asozialität der Gesellschaft mit Gewalt beseitigen zu müssen. Eine pervertierte, denaturierte Zwangslogik: Asozialität gegen eine asoziale Gesellschaft, um das Soziale zu erzwingen, war seine Konklusion. In jenem Sinne fühlte sich Breivik als Retter des Sozialen, als Ritter, als Ehrenmann, als Patriot einer kulturdekadenten Gesellschaft, die das Attribut "sozial" in den multikulturellen Schmelztiegeln verbrannt hat.

8. Krieg ohne Nachdenken

Breivik dürfte bekannt gewesen sein, dass es auch im Modus eines vermeintlichen Kriegszustandes ein minimales Set an sozialen Übereinkünften gibt, die die Zivilisation von der bloßen Barbarei trennt. Zivilisten sollten geschont werden, Frauen und Kinder, Alte und Gebrechliche, und all jene, die sich dem Feind ergeben, sollten nach menschlichen Ermessen gut behandelt werden. Dass Breivik diese Regeln brutal durchbrochen hat, lässt nur den unangenehmen Schluss zu, dass er die Differenzierung zwischen Zivilgesellschaft und Armee aufgegeben hat. Ein Staat und eine Gesellschaft, die das Soziale zerstört und das Asoziale vergesellschaftet, also verallgemeinert hat, führt nach den Denkmustern Breiviks einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Dabei kommt nach Breivik der politischen Führungsklasse die Funktionsrolle einer Armeeleitung zu, die den Krieg gegen die eigene Bevölkerung durch die Förderung von multikulturell verdeckten Einsatzgruppen forciert und Mord und Totschlag und Vergewaltigung auf den Straßen nicht nur billigend in Kauf nimmt, sondern nach Breiviks Logik gezielt fördert, da der Wert des Individuums, der Wert der eigenen Identität gegenüber den Fremden aufgelöst, relativiert und so gänzlich nivelliert und ausgelöscht wurde: Ein Staat, der die partikulären Interessen des Individuums vergesellschaftet und somit das Soziale auflöst, führt Krieg gegen jeden Bürger, der sich nicht beugen will. Und folglich sah Breivik in der politischen Kaderschule auf der Insel ein Armeeausbildungslager für jene Funktionäre, die den Krieg gegen die eigene Bevölkerung weiter betreiben sollten. In jenem Sinne wähnte sich Breivik im Kampf gegen Kindersoldaten einer Besatzungsmacht, die das eigene Land zerstören werden.

9. Aus dem Grauen Lernen

Breiviks in sich geschlossenes Denksystem lässt keine Kompromisse oder Schlupflöcher zu. Lehnt man seine "Beweisführung" ab, ist man gezwungen, die Widersprüche zu entlarven - jedoch: in Breiviks Grammatik der Moral sind die uns bekannten Vorzeichen vertauscht: der Staat als Feind, das Individuum vergesellschaftet, das Soziale aufgelöst und in sein Gegenteil transformiert, die öffentliche Kommunikation reine Propaganda, die offene Meinungsäußerung tabuisiert — wer an jenem Gedankensystem Kritik üben will, muss entweder die Prämissen Breiviks dogmatisch ablehnen und sie so bestätigen (wer die Kritik an der Political Correctness ablehnt, bestätigt sie), oder zustimmen und sich so die Mittel zur Kritik selbst entziehen. Entziehen wir uns aber gänzlich der inhaltlichen Auseinandersetzung durch Propaganda und Gedankenverboten (pc), wird es noch viele Breiviks geben.

10. Mehrfachopferung

Wer den Schlussfolgerungen nicht ziehen mag, obwohl sie sich unschwer aus Breiviks Manifest "2083" destillieren lassen, wer die Vernunft wider besseren Wissens aus Gründen einer totalitären Political Correctness unterdrücken will und eine Dämonisierung und somit Antirationalisierung betreibt, verhöhnt und opfert nicht nur die Opfer zum 2. Mal, sondern:

- opfert das Vernunftsprinzip, da dem Bürger die Fähigkeit abgesprochen wird, durch eigenes Denken zu richtigen Schlüssen zu gelangen;

- opfert ohne Vernunftsprinzip die freie, offene Rede;

- opfert ohne freien, öffentliche Rede und Diskurs die Demokratie;

- opfert das Selbstbestimmungsrecht des Individuums, denn ohne Demokratie kann das Volk, "vox populi" nicht mehr das eigene Schicksal bestimmen;

- opfert in der Summe die Zukunft einer offenen Gesellschaft;

- opfert im Speziellen die Angehörigen der Opfer, da ihnen die wahren Ursachen und Motive des Täters vorenthalten werden, und sie so ihre Trauer und Schmerz ins Unendliche verlängern;

- opfert zudem als zynische Pointe, die Legitimierung der 4. Gewalt im Staate, denn sie stirbt den moralischen Tod, wenn die System-Medienagenda Totalitarismus lebt und fordert.  



G. Andreas Kämmerer, 05. August 2011

Leserkommentare (6)

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hallo freiheitsliebende kommilitos –

ich habe in meinem letzten posting das einzelne individuum „mental“ in das fundamentale zentrum seiner gesellschaft gestellt –

es als pflänzchen auf seinem nährboden betrachtet.

(wo es „warum“ auch persversionen gibt? / die verdrängungsdogmen des sozialdarwinismus ihre blüten treiben // dann „darum“ konstruktive entfaltungsprogrammatik „gegen“ soziale bedrohungen entwickelt.)


die metaphorik läßt sich gut auf eine globale oder eu-gesellschaft und ihr „mentales“ gerüst übertragen, auch noch gut in eine bundesweite programmatik von forderungen der freien selbstentfalter wandelnd. aber regionalen und kommunalen freien wählern stellt sich die frage, was ein regionaler landesverband oder gar eine städtefraktion fordern könnte?


könnte man regional (einer biotopischen nische gleich) die bedingungen gleichrechtlicher entfaltung erfolgreich „als insel“ gegen einen bundestrend etablieren, dann wie, im ansatz ein beispiel, um die frage vielleicht besser formulieren zu können (oder sind schon alle städte an bundesmaxime versklavt):

ich habe (anläßlich einer welle von insolvenzen) anfang der neunziger unseren bürgermeister (20ew, kleinstädtle im schwarzwald) gefragt, ob er „sein“ sozialbudget auch auf gewerbetreibende ausweiten „dürfe“ (zugunsten der verlorenen „arbeitgeber“), um die pauschalen ust-forderungen aufzufangen (mit jeder ust-erhöhung wanderte die rentabilitätsgrenze nach oben). er müßte mit solcher konditionierung (neben wieder-belebung vorhandenen ressourcen) sogar zulaufende einwohner bekommen, die sich kleingewerblich niederlassen, ein bunte stadt. er bekam funkelnde augen, denn er wäre der chef det janzen dann.

aber im städteparlament wurde die idee niedergemacht: „da könnte ja jeder kommen und auf dem markt schrauben und nägel verkaufen...“

der „mandatsträger“ aber auch eisen- und haushaltswarenladenbesitzer, der es sagte, machte da noch über eine mio umsatz pa – und ist zwanzig jahre später, heute, selbst so ein fall, der es bräuchte, verkauft nur noch spielzeug und macht es bei aktuellen 19% pauschalen steuerlasten sicher nicht mehr lange. ein vst-freibetrag von tausend pm würde ihm genügen, aber auch einer kleinen handvoll leuten arbeitsplatz erhalten.

allein diese effektivität ist faszinierend – aber wäre so was in frankfurt (auch rechtlich) machbar??? ich kann die frage nicht beantworten.

gruß gerald

ps: an solchen fragen stellt sich die andere, ob es auch eine bundespartei freier wähler geben solle - - - damit überhaupt wer auch noch unsere interessen vertritt.

Endlich mal einer, der nicht im Selbstmitleid über die schlimmen Sachen versinkt, welche die Politisch Korrekten über uns sagen, sondern hardcore gegen sie austeilt.

Auf PI-News wird sich im Opfersein gesuhlt, daß es nicht mehr feierlich ist. Matussek auf SpOn nicht anders. Achgut.de bleibt wie gewohnt in einer seltsam kalten Distanz, vermutlich eine Panzerung im Bewußtsein der exponierten real-beruflichen Position ihrer eigenen Autoren im politisch korrekten Medienmainstream.

Auch wenn ich den, m.E. hervorragenden Artikel noch ein 3. mal lesen muß, sehe ich doch sehr gute und gut formulierte Argumentationen und Folgerungen.
KLASSE.

"Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen. George Orwell"

Ihr Artikel „Der lange Arm des Teufels...“ arbeitet genau das Wesentliche der Verursachung dieser Untat heraus und findet meine volle Zustimmung.
Die Ursache ist hier ein gesamtgesellschaftliches Versagen mit Namen „political correctness“.
Ob das Manifest des Anders B. sein eigenes Machwerk ist sei dahingestellt. Ich denke, es ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist, was darin geschrieben steht und wichtig wäre zu erkennen, welche die innere Motivation für diesen Text ist.
Man kann Positives verächtlich machen, indem man es in eine schlimme Umgebung stellt.

Nun haben die „Gutmenschen“ ihren Reichstagsbrandprozess.
Auch wenn die damaligen Vorgänge bis heute nicht geklärt sind, so steht doch „Reichstagsbrandprozess“ für bestimmte Art, sich Vorwände für eigene Vorhaben zu beschaffen.
Für mich handelt es sich hier um eine furchtbare Maskerade, die alle Menschen diskreditieren und diskriminieren soll, die
1. christlichen Glaubens sind oder
2. ihr persönliches Wertesystem auf humanistische und /oder christliche Werte gründen
3. den Begriff „Freiheit“ als Wert sehen und die sich nicht unterwerfen wollen, weder einer politischen, noch einer religiösen Diktatur
4. ihre eigene völkische und /oder nationale Identität als Wert schätzen
5. sich dem menschlichen, sozialen und wissenschaftlichen Fortschritt öffnen
6. # man schlussfolgere selbst weiter #
Dieses unfassbare Geschehen, unschuldige Menschen zu vernichten, ist entweder die Tat eines Irrsinnigen oder einer Person, die einem außerordentlich komplexen tiefen-psychologischen Prozess unterworfen wurde oder sich unterworfen hat.
Ein großer , blonder, blauäugiger Mann, typisch nordisch aussehend, hat gnadenlos weißhäutige Kinder regelrecht geschlachtet.
Er soll unter Siegesgeschrei (so Zeugen) getötet haben. Das klingt eigentlich so, als wäre ein „Märtyrer“ am Werk gewesen.
Doch seine Motive waren, wenn man den bisherigen Veröffentlichungen Glauben schenken kann, christlich- fundamentalistisch, antiislamistisch, Islamophobie, nationalistisch , rechts-populistisch, freimaurerisch, und noch vieles anderes mehr.
Auch, wenn ich nicht mehr weiß, als veröffentlicht wird, könnte ich diese Liste noch weiter führen, ohne weit daneben zu liegen.
Dieser junge Mann hat in diesem Sinne „seiner“ Sache den größtmöglichen Schaden zugefügt. Mit der Verknüpfung solcher Begriffe und Zusammenhänge mit einem verabscheuungswürdigen Verbrechen schafft man so ein Mittel, alle und alles, was mit diesen Werten operiert, zu diffamieren.
Dass sich dazu die europäische Journaille hergibt, ist nicht weiter verwunderlich.
Bezeichnet man einmal, die unter 1...5 beschriebenen Eigenschaften oder Werte zu schützen oder durchzusetzen als „edles“ Motiv. Dann gebe es eine Person, die dieses „edle“ Motiv vertritt.
Nun gibt es eine Situation, in der aus Sicht dieser Person alle diese Dinge gefährdet sind.
Wie wird ein rational denkender Mensch handeln? - er wird mit allen Menschen, die wie er denken, zusammen diese Positionen verteidigen.
Hier ist etwas abgelaufen, das mit einem einfachen Denkschema nicht zu erklären ist.
Dazu muss man das gesellschaftliche Umfeld, so denke. ich etwas näher betrachten.
Das betrifft vor allem auch die Medien. Es hat sich eine „Mentalität“ herausgebildet, die man mit „political correctness“ bezeichnet“.
Diese PC ist eigentlich ein Wesensmerkmal aller totalitären Systeme- man muss sich dort anpassen, um zu bestehen oder zu überleben.
Dass die PC hier als so wichtig empfunden wird, hat tiefe Ursachen. Es ist eigentlich ein Konsens aller Gesellschaftsschichten für eine totale Humanität, die ins totalitäre ausgeartet ist.
Heinrich von Kleist beschreibt eine ähnliche Situation in „Michael Kohlhaas“
http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Kohlhaas
Anders B. ist eigentlich ein in unsere Zeit transformierter Kohlhaas.
Seine individuelle Erfahrung des ihn umgebenden destruktiven Milieus ist geprägt von der in unserer Zeit üblichen Superlativierung und Emotionalisierung aller Dinge und Vorgänge und der daraus resultierenden, man könnte fast sagen, der inneren Existenzangst der Menschen vor etwas „Unbegreiflichem“. Vor längerer Zeit konnte uns ein Jesusglaube noch helfen, Ängste und Verzweiflung zu minimieren oder zu bewältigen. Die Ratio der Wissenschaft und der immanente Egozentrismus Einzelner oder sich in ihm zusammenfindender Menschengruppen haben dazu geführt, dass die Regeln der Bergpredigt unverstanden bleiben oder zugunsten dieser Menschen im doppelten Sinne relativiert wurden (Negativ: Unrecht, das der andere getan hat, darf ich auch. Positiv: Ich habe vor einiger Zeit Unrecht getan, dann muss ich das Unrecht des anderen ertragen). Die Ratio der Wissenschaft erzwingt vernünftige Betrachtungsweisen der Dinge und schon richtet sich die angstinduzierte Aggression vieler Menschen gegen alles, was damit zusammenhängt, der Mensch Jesus ist verantwortlich für die Entstehung des Christentums und eigenartiger Weise begründen Viele ihre Ablehnung mit der Ratio der Wissenschaft – ein Teufelskreis.
Und die Verlogenheit und Ignoranz in der derzeitigen Medien- und Politikerdarstellung von Ereignissen trifft auf Menschen, die von Kinderalter an auf Medien- und Obrigkeitsgläubigkeit konditioniert wurden und deren Reizschwelle, z.B. infolge Medienkonkurrenz, auf ein fast unerträgliches Maß hochtrainiert wurde (Jeder Krimi ist umso gefragter, je mehr und je bestialischer die Morde sind, in SF- Medien beschießt man sich mit ganzen Galaxien, usw.) .
Genau in diesem Sinne hat Anders B. als Produkt seiner Zeit gehandelt. Er hat einen „Supermord“ begangen, um auf eine von ihm als übermächtig empfundene Bedrohung hinzuweisen oder sie zu unterbinden. Und er hat damit nicht nur seine eigenen wahnhaften Vorstellungen ausgelebt, sondern auch die „political correctness“ bloßgestellt, indem er diese totalitäre Ideologie gezwungen hat, öffentlich zeigen, das sie nicht auf Ratio, sondern auf der Angst des Einzelnen, in einer totalitären Umgebung zu bestehen, beruht.
Wenn er das wollte, wusste er was er tat und ist voll verantwortlich für dieses Verbrechen.
http://www.uk-bund.de/downloads/Seminare/Vortr%C3%A4ge%20Potsdam%202009/jacobi-reportpsychologie-2009.pdf
http://bundes.blog.de/2011/08/04/psychische-erkrankungen-nehmen-stress-belastung-deutschland-immer-mehr-11608662/
http://www.navigator-medizin.de/depression/aktuelle-nachrichten/news-archiv/521-depressionen-nehmen-in-deutschland-zu.html
Geht man von den in letzter Zeit zu findenden Veröffentlichungen zu psychischen Störungen aus, dann ist denkbar, dass hier aus unterschiedlichen Gründen, von denen der Zwang zum ständigen Unterdrücken und Relativieren der Realität sicherlich einer ist, das gesellschaftliche Umfeld eine große Rolle spielt, dann kann auch andere Überlegungen anstellen:

1. ein von einem Wahn besessener Amokläufer
2. es hat hier eine sog. Aggressionsverschiebung stattgefunden
3. der Angriff erfolgte auf als „schuldig“ oder „potentiell schuldig“ angesehene Opfer
4. hier wurde eine Person benutzt

zu 1. Man sollte sich fragen, wie es zu diesem schlimmen Wahn gekommen ist.
Dazu gehören bestimmte, auch genetisch bedingte Persönlichkeitsmerkmale,
welche der Ausbildung von Wahnvorstellungen förderlich sind. (siehe auch „multiple Persönlichkeitsstörung“). Auch können Konditionierungen im Kindesalter unterstützend wirken. Zum Amoklauf kann es kommen, wenn eine Akkumulation von tatsächlichen oder virtuellen Ereignissen zu einem „Befreiungsschlag“ zwingt.
Zu 2. Diese Person muss einer echten oder empfundenen Situation ausgesetzt worden sein, die ihn zu einer Abwehrhaltung veranlasst. Kulminiert nun diese Situation oder nimmt einen Verlauf, der keinen Ausweg erkennen lässt, dann kommt es zu einer aggressiven „Abwehrhandlung“. Nun kann eine paradoxen Situation entstehen. Diese Aggression richtet sich nicht mehr gegen die unmittelbare Bedrohung, sondern gegen deren vermeintliche oder echte Ursachen. Ein solcher Vorgang erscheint Außenstehenden schwer begreiflich, bestenfalls, wenn bei einem Streit einer der Wütenden sich an einem Gegenstand abreagiert. In der Psychologie wird auch die Unmöglichkeit abzureagieren genannt, weil der „Gegner“ unverfügbar ist oder „stärker“ erscheint oder man ihm keinen direkten Schaden zufügen will oder Angst vor den Konsequenzen hat, u.v.a.m..
Zu 3.Unter 2. wurde eine „paradoxe Situation“ angesprochen. Wenn diese „vermeintlichen oder echten Ursachen“ in der Vorstellungswelt des Betroffenen die bedrohliche Situation weiterhin anwachsen lassen, dann kann es zu einer Paniksituation kommen, welche den Betroffenen zur „Auslöschung“ aller die Bedrohungssituation förderlichen Umstände treiben. Auch, wenn es unwahrscheinlich oder inhuman klingt, möglicherweise hat in diesem Fall die Beförderung der innernorwegischen Zustände durch Politiker dazu geführt, dass diese und auch deren Nachwuchs von diesem Mann als „bedrohlich“ angesehen wurden.
Zu 4. Die Möglichkeit, dass eine Person benutzt wurde, ist auch beim Reichstagsbrand nicht ganz unwahrscheinlich. Dem Marinus van der Lubbe ließ man keine Gelegenheit dieses offen zu legen. Bis heute gilt er als Einzeltäter. Trotzdem wurde er benutzt. Genau das passiert gegenwärtig auch. Unabhängig von allen Dingen und Ereignissen, die noch ans Tageslicht kommen werden, die Tat des Anders Behring Breivik wird bereits benutzt. Nun stellt sich allerdings die Frage, ob dieser Mann auch benutzt wurde oder sich benutzen ließ. Im zweiten Fall ist er ein bezahlter Mörder (bezahlt im Sinne von Belohnung o.ä.). Doch man kann Menschen auch benutzen, indem man ihre innere Vorstellung einer schweren Bedrohung in die einer unabwendbaren Bedrohung umkonditioniert. Dann kann es zu der unter 3. angesprochenen Krise kommen, wenn man nur genügend oft und lange auf das Anwachsen dieser bedrohlichen Situation hinweist (steter Tropfen höhlt den Stein). In diesem Fall soll es ein Imam gewesen sein, der den Anders Behring Breivik mehrfach auf die sich in Norwegen zuspitzenden ethnischen und sozialen Zustände hingewiesen und nachdrücklich aufgefordert hat, „Zustände wie in Schweden“ nicht zu zulassen.
Noch eine kurze polemische Zusammenfassung.
Es ist eine fürchterliche Untat geschehen. Der Mörder ist gefasst. Unsere Qualitätsmedien haben ein Titelthema, bei dem sie so richtig in die Vollen gehen können, ohne eine Bombe in der Redaktion befürchten zu müssen. Die Gutmenschen und Politiker „kennen“ die Schuldigen und die verursachenden Hintergründe nun "ganz genau" und können sie kräftig nutzen. Unsere moslemischen Mitbürger sind offiziell entlastet und alle Ungläubigen verunsichert. Islamistische Terroristen können sich freuen, denn sie haben Aufwand und Sprengstoff gespart und ein Sprenggürtelträger ist für ein nächstes Mal übrig und der Dschihad ist ein gutes Stück vorangekommen.
Bis auf die Angehörigen der getöteten Kinder und die Überlebenden, mit denen ich ihre Trauer teile, so wie mit allen Menschen, die von Terroranschlägen betroffen sind, können eigentlich alle zufrieden sein.
Das mag unmenschlich klingen, doch ich möchte an dieser Stelle nicht offenlegen, wie betroffen ich bin. Nicht nur von der menschlichen Tragödie, die sich hier abgespielt hat, sondern auch von der furchtbaren Hintergründigkeit und Tragweite des Geschehenen.

Dass recht vielen Menschen die Situation in Europa und wohin das alles treibt deutlicher wird, denke ich, hoffe ich vergebens.
Doch immer wenn etwas geschieht, sei es die sog. „Finanzkrise“, die militärischen Aggressionen, die „Demokratisierungsbewegungen ...“ oder dieses Ereignis, sollte man sich fragen, „wem nützt es?“, um ein wenig über Hintergründe erfahren.
Für mich sieht das ganze aus wie eine Art Partisanenangriff auf unsere ganze humanistisch geprägte abendländische Wertordnung, wobei wir nur den Täter, aber nicht die Partisanenorganisation kennen.

Sehr lesenswert, ich glaube aber nicht, dass das Wissen um "die wahren Ursachen und Motive des Täters" in irgend einer Weise etwas daran ändern, wie lange Angehörige um Opfer trauern.

Hervorragender Aufsatz, der das Paradoxon der PC auf den Punkt bringt: Sie ist aus sich heraus nicht kritikfähig, da sie sich sonst von selbst auflösen würde.
Diese Herleitung von Breiviks Handeln ist für die gesamte Medienlandschaft einzigartig und vorbildlich, haben doch weder die "Qualitätspresse" und Mainstreammedien, noch die alternativen islamkritischen, konservativen und "poltisch inkorrekten" Medien je einen Versuch gestartet sich tiefer mit Breiviks Gedankenwelt zu beschäftigen, als pseudopsychologische Pathologien zu erstellen.
Hut ab für diese gut durchdachte Analyse!