Frankfurter Zauberkünstler am Corona-Limit

Es fehlt an Einnahmen und am Kontakt mit dem Publikum

Frankfurter Zauberkünstler am Corona-Limit
Michelle Spillner mit Kaninchen - Foto: Jörg Puchmüller


Der israelische Bühnenmagier Uri Geller zog vor 46 Jahren Millionen Zuschauer in seinen Bann, als er behauptete, allein mit der Kraft seiner Gedanken Gabeln verbiegen zu können. Kürzlich verriet Geller auf einem Online stattfindenden Business-Seminar das Enddatum von Covid19. Dieses Datum wüsste der Frankfurter Showkünstler Felix Gauger, Deutscher Meister Business Magic 2011, nur zu gern. Der gebürtige Weinheimer bekam mit 6–7 Jahren einen Zauberkasten in die Hand gedrückt, war fasziniert, „blieb dran und hat es großgezogen“. „Zum Abi kam dann auch mein erster Firmenauftritt.“

Heute, wo die „Lockdowns“ nicht aufhören sollen, klingt der Wirtschaftsingenieur am Telefon ernüchtert. Zwar preist er seine neu aufgesetzte digitale Zaubershow auf seiner Website als „new normal“ für außergewöhnliche virtuelle Live-Online Events und komplett neues Genre der Zauberkunst. Im Gespräch selbst zeichnet er vor allen Dingen die Nachteile der Online-Zauberei nach. Ihm fehlt die direkte Reaktion des Publikums, das er aus dem Theater kennt, doch Online nur verzögert oder gar nicht eintritt. Ohne ausreichende Resonanz sei die Interaktion mit dem Publikum sehr schwierig. „Comedy funktioniert unter diesen Umständen überhaupt nicht.“


(Pressefoto Felix Gauger)

Mit dem März-Lockdown 2020 ist sein Geschäft „komplett kaputtgegangen“. Er fiel in Schockstarre. Das wird schon wieder, dachte er im nächsten Moment, bis sich bei ihm schleichend das Gefühl herausstellte, daß er umsatteln musste. Finanziell gerettet hat ihn damals seine Halbtagsstelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Karlsruher Institut für Technologie.

Schnelle US-Magier verblüfften schon im März/April mit relativ ausgereiften Zoom-Magic-Shows. Felix Gaugner konnte seine virtuelle Zaubershow erst in den letzten zwei Monaten etablieren. „Eigentlich zu spät, um ohne frühe Werbung bei Weihnachtsfeiern berücksichtigt zu werden.“ Außerdem dauere es ungefähr ein Jahr, bis das neue Format eingespielt sei. Schließlich ginge es nicht darum, eine bestehende Show zu überarbeiten, sondern eine komplett neue zu kreieren. Wozu Felix Gauger Technologie und Magie perfekt verbinden möchte. Doch „befände sich die Technik noch immer im Aufbau“.

„Eigentlich bräuchte man eine Ausbildung zum Filmtechniker und viel Geld, um all dies mit neuer Software, Schnittsystem, drei Kameras, Live-Regie usw. bewerkstelligen zu können“, sagt die international ausgezeichnete Frankfurter Zauberkünstlerin Michelle Spillner. Denn die Anspruchshaltung des Publikums sei groß. Es erwarte die gleiche Qualität wie bei Blockbusterfilmen. „Dabei kann nur das Theater genau wie der Film ein Gesamterlebnis aus Emotion, Dramaturgie und Licht bieten.“


(Pressefoto Pit Hartling)

Felix Gauger macht das Beste aus der Corona-Situation. Um seine Zuschauer zu fesseln, verschickt er Päckchen mit Zauberutensilien, mit denen sie wie in einer Zauberschule live einen Trick lernen können. Sein Frankfurter Kollege Pit Hartling, Mitbegründer der Magic Monday Show im Kabarett Die Schmiere, berichtet, wie fasziniert seine Online-Zuschauer seien, wenn sie zu Hause mit den zugesandten Karten die gleichen Effekte realisierten wie er selbst, indem sie ihm bei den Tricks am Bildschirm folgten.

Tischzauberei ist in normalen Zeiten Felix Gaugers Dauerbrenner beim Publikum, wenn die künstliche Blockade der Bühne verschwunden ist und die Runde unmittelbar erlebt, wie Sachen über den Tisch schweben oder fliegen. „Das kommt immer gut an.“ Ähnlich setzt Michelle Spillner in ihrer aktuellen Show Alles Lüge – echt wahr ! auf körperliche Nähe und Publikumsbeteiligung. Sie konnte aber mit Beginn des ersten Lockdowns nie aufgeführt werden, da 70 % des Programms den Corona-Regeln zum Opfer gefallen wären. Was tragisch ist, da nach Ansicht vieler Künstler die Zauberkunst hautnah am Zuschauer die größte Wirkung entfaltet.

In eine glückliche Beschäftigung versunken, empfinden wir einen flüchtigen Vorgeschmack von Ewigkeit. Angesprochen auf dieses Zitat des spanischen Philosophen und Essayisten Ortega y Gasset (1983–1955) bestätigt Felix Gauger für sich, diesen Hauch an Ewigkeit als Magier auf der Bühne zu verspüren. Wie sehr trennt umgekehrt die Politik die Menschen von Gott, die sie in permanenter Corona-Angststarre hält.


Claus Folger

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